Ich hasse das Internet!

Ich liebe die Mood, in der ich am liebsten das gesamte Internet löschen will. Nicht nur meine Internetpräsenz, Instagram und Twitter, nein ich will das komplette Internet löschen. Nicht nur all das, was ich jemals gegoogelt habe, alles was Menschen jemals über mich oder meine Freund:innen geschrieben haben. Nein, alles, Google, Whatsapp, ebay Kleinanzeigen, Pornoseiten, das Darknet, einfach alles halt. Ich bin es so oft leid. Ich bin den Drang leid, mich mitzuteilen, das ewige Gelaber über Body Positivity, den eigenen Selbstwert und dass der nicht von anderen Menschen abhängig ist, aber trotzdem jedes Mal Mikroemotionen zu bekommen, wenn der eine Dude mein Bild liked, dieses "Schaut mal wie cool/traurig/scheiße/dumm ich bin", das ewige Story von ihm oder ihr checken, die Socia Media Pause, Internet Detox machen zu müssen, Urlaubsbilder auf denen ich grundlos glücklich bin in einen gaggigen Post verpacken, ich bin es manchmal alles einfach leid.

Als ich 2016 nach Hamburg gezogen bin, ebbte das "Blogger-Ding" langsam ab, ich wollte es aber nicht aufgeben, habe mich daran geklammert, wie ein kleiner Marienkäfer, wenn er nicht wahrhaben will, dass der Grashalm echt zu dünn für ihn ist. Instagram wurde duchgeklickt, ein Foto aufgrund der Hashtags für gut oder schlecht befunden. In diesem Jahr bin ich auf ein Profil gestoßen. Ich fand sie sympathisch. Irgendwie mochte sie ähnliche Dinge, ähnliche Veranstaltungen, ähnliche Filme. Ich teilte das durch einen Doppelklick auf die jeweiligen Posts. Ein paar Tage später wachte ich auf und Instagram war überflutet. Ein Herz hier, ein Like da und ein "Man, du magst echt die gleichen Sachen wie ich! Können wir bitte Kaffee trinken, uns ein Stück Kuchen bei Herr Max schnappen und im Schanzenpark einfach über Harry Potter reden, bitte?" Maria ist heute eine meiner besten Freundinnen. Eine Person, bei der ich mir nicht sicher bin, ob wir einfach schon vor Instagram seelisch verbunden waren. Ohne Maria wüsste ich den ein oder anderen Tag in meinem Leben nicht mehr, was ich machen sollte. Maria und ich haben oft über unser Kennenlernen gescherzt. Irgendwie war es uns unangenehm eine Art Partnership Geschichte zu erzählen. Heute tragen wir das ganz offen nach außen. "Wo hab ihr euch eigentlich kennengelernt?" - "Na, auf Instagram."

Ich liebe die Mood, in der ich das Internet am liebsten in mein wahres Leben übernehmen will. Ich will, dass die Menschen, die mir etwas bedeuten, instant teilen, was sie gerade erleben, mir Bestätigung geben, ich ihnen Bestätigung geben kann. Ich will dann nicht nur das gesamte Internet ständig und immer bespielen, lustig sein, ernste Themen ansprechen und Aktivismus betreiben. Nein, ich will einfach, dass das Internet mein Leben ist, so wie ich es darstelle, dass die Luftschlösser, die ich mir dort baue, Realität werden.

Ich hasse das Internet. Ich liebe es. Und ich weiß, dass ich davon abhängig bin, auf eine ungesunde, nicht reale Art und Weise, aber anhängig. Irgendwie. 

Ich hasse das Internet.

Ich will ICQ zurück.

Mood