Dirty old Town: Dublin

"Bedrängt man mich um ein Urteil, sage ich sie sei elegant." So zog sich schon Jane Austen's Emma aus der Affäre, ging es darum ein ehrliches Urteil über eine furchtbare Frau abzugeben. Zugegeben, so schlimm steht es nicht um mich um Dublin, doch wer den Rest und vor allem die Südwestküste kennengelernt hat, ist sich deren Vorzüge auch einfach bewusst. Merke: Großstadt ist Großstadt.

Ich kann euch beruhigen. Dublin, oder Baile Átha Cliath (dt. "Stadt an der Hürdenfurt") wie es im irischen heißt, ist eine tolle Stadt. Sie hat Charme und vielviel Geschichte. Doch an der irischen Hauptstadt sieht man schnell, dass das Land viele Jahrzehnte lang sehr, sehr arm war. Viele Gebäude sind, auch mitten in der Stadt, heruntergekommen und verlassen - aber eben auch das trägt zum Charme und zur Ehrlichkeit der Stadt bei. Doch ganz anders als hier zulande werden die Häuser dort nicht wild voll gesprayt. Straßenkunst ist in Irland etwas sehr geplantes und oft sieht man die allerschönsten Bilder an den unerwartetsten Orten.



Generell kann man in Dublin alles zu Fuß erreichen. Taxis sind zu teuer und die öffentlichen Verkehrsmittel nicht vergleichbar mit unseren. Zudem gleicht Dublin zurzeit leider einer riesigen Baustelle, da das Land nun endlich genug Geld hat, um die Stadt auf Vordermann zu bringen. Die etwa 30-minütige Strecke vom Flughafen in die Stadt kann man aber ganz einfach mit dem Airlink 747 oder einem der anderen Linien bewältigen - und dabei gibt es gleich eine kleine Stadttour mit dazu.

Schneller zu Fuß
Unseren ersten Stopp machen wir an der Ha'penny Bridge. Hier gab es früher nur eine Fähre, die irgendwann in einem so schlechten Zustand war, dass der Betreiber kurzerhand eine Brücke errichten lies. Aber weil Money eben die Welt regiert, zahlte man einen Wegzoll von - ihr erahnt es - einem halben Penny. Ein paar Schritte auf die andere Seite des Flusses und durch eine kleine, mit Guinness-Schildern geschmückte Gasse und schon stehen wir mit im Ausgehviertel der Stadt - Temple Bar. Auf einem kleinen Platz sammeln sich die Schaulustigen um eine Gruppe Straßenmusiker, die mit Geige, zwei Schlagzeugen, Bass und einem schlechten Soundsystem aufgefahren haben. Doch genau wie der Rest der Menge sind wir begeistert.

Ich möchte unbedingt die Bibliothek der Trinity Universität sehen, doch nachdem wir unseren Hunger mit Mash, Pie, Molly Malones Kartoffelsuppe und dem langersehnten, ersten Bulmers gestillt haben, kommen wir zu spät. Das Universitätsgelände lädt trotzdem zum Verweilen ein. Die alten Gebäude sehen aus wie in Oxford und sofort beschleicht mit das Gefühl, wieder in Hogwarts zu stehen.

Grüne Oase
Wir wollen nicht hetzen und setzen uns stattdessen in den St. Stephen's Green Park. Hier drehen Jogger ihre Runden, es gibt ruhige Ecken zum Entspannen, sonnige Plätze für ein Picknick oder Grillvergnügen und es würde mich nicht wundern, wenn Pongo gleich mit seinem Herrchen um die Ecke spazieren würde. Gleich daneben im gleichnamigen Shopping-Centre füllen wir unseren Wasservorrat auf und werfen den Blick auf die große Uhr. Vom zweiten Stock aus haben wir einen wirklich schönen Blick auf das Gläserne Dach - nicht auszumalen, wie es geschmückt zu Festlichkeiten aussehen muss.

Schietwetter
Das Regenwetter am zweiten Tag? Verpassen wir perfekt. Ich bin kein großer Fan von riesigen Attraktionen, doch in das Guinness Storehouse zieht es mich trotzdem. Und die 20 EUR Eintritt? Die lohnen sich, wirklich. Hier lernen wir nicht nur mehr über Arthur Guinness himself, der einst einen Pachtvertrag über 9.000 Jahre für die Brauerei unterzeichnete, sondern auch viel über die Zutaten, die Geschichte und die Kunst des Fassbindens, die Werbung und die Aromen des weltberühmten Biers. Zum Schluss betreten wir die 360° Gravity Bar und genießen unser Pint (0,5683 Liter) mit Blick über die ganze Stadt, bis hin zu den Wicklow Mountains.

#irisharchitecture
Bevor wir, wie immer, in die Pubs der Stadt einkehren, schlendern wir noch einige ganze Weile an der Liffey entlang bis hin zu den Docklands von Dublin. Hier fängt vor allem eines unseren Blick: Die wunderschöne Samuel Beckett Bridge, die in Form einer liegenden Harfe, dem Wappen Irlands, konstruiert wurde. Die Abende verbringen wir ausnahmslos in Temple Bar. Hingegen aller Vermutungen heißt so nämlich nicht nur der wohl berühmteste Pub Irlands, sondern das gesamte Viertel. Die Straßen sind so belebt, Musik schallt aus jedem Pub und jedem Fenster und neue Leute und alte Bekanntschaften trifft man hier (Achtung, eine Floskel!) wie Sand am Meer.

Nach unserer 10-tägigen Reise durch das Land sind wir wieder in Dublin eingekehrt. Eigentlich wollen wir das Gogarty's schon früher verlassen, aber "es ist unser letzter Abend" denken wir uns und bleiben. Wir tanzen zu traditioneller und neuer Livemusik, trinken noch einen Cider und fallen, im Hostel angekommen, in einen tiefen Schlaf. Als ich um 7 Uhr auf mein Handy gucke, haben wir unseren Rückflug schon längst verpasst. 8 Stunden am Dubliner Flughafen, 250 EUR leichter und zwei Bücher (zum Preis von einem) schwerer, landen wir in Berlin, bekommen gerade noch so unseren Zug nach Hamburg und sind froh endlich wieder "im Lande" zu sein. "Das war eine schöne Reise.", sage ich leise zu Dominik, als die Welt hinter den ICE-Fenstern schnell an uns vorbei rast. Er nickt. Und das war es. Danke, Dublin ich komme ganz bestimmt noch einmal wieder.

Kommentare :

  1. Super Reisebericht, bin grad richtig abgetaucht und hab mich nach Dublin geträumt! Bin gespannt auf deine weiteren Teile :)

    Liebe Grüße
    Jasmin von nimsajx.blogspot.de

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  2. kann mich Nimsaj nur anschließen, sehr sehr schön!

    Liebe Grüße Katrin

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  3. Dieses Gebäude auf dem vorletzten Foto, ich dreh durch...wunder, wunderschööööööööööööön <3 wie immer tolle Fotos. Ich war auch vor kurzen auf der Insel, allerdings in Schottland.

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  4. Hey Maribel, richtig richtig schöne Eindrücke! :) Das ist ja spannend mit der geplanten Straßenkunst - da bin ich jetzt neugierig geworden und will auch mal dorthin. Der Park lädt zum Abschalten ein, wie es auf dem Foto rüberkommt! Einfach schön.
    Das Guinness Storehouse war bestimmt interessant. Danke für die kleinen Infos am Rande und immer mal wieder zwischendurch :)
    Liebe Grüße,
    Tina von http://www.freckledrebell.de

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  5. Das gläserne Dach sieht sowas von schön aus! Hat mich echt beeindruckt.
    Und auch das Foto mit der Guinness Spiegelung hast du super gut geschossen :)
    The Temple Bar sieht aus wie aus einem Buch ^^ Total harmonisch!
    Und dann auch noch Flug verpasst ^^

    Am Anfang des Posts dachte ich du bewertest Dublin eher negativ, aber am Ende warst du ja dann doch sehr begeistert. Irgendwie eine tolle Entwicklung die sich so durch den Post zieht!
    Alles Liebe, May von Mayanamo

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    1. Es hat sich auch immer und immer wieder weiter entwickelt :)

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  6. Ein wirklich charmanter Bericht :) Und so wahr.
    An sich ist Dublin einfach keine schöne Stadt, aber die Leute, das Essen, die Kultur, ... all das hat mich trotzdem so verzaubert, dass Dublin für mich eine der schönsten Städte der Welt ist ^^

    Noch einen schönen Sommerabend und liebe Grüße,
    Jo ♥

    myavalon-blog.blogspot.de

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    1. Ach ja, ganz vergessen zu erwähnen: Grandiose Fotos! Wirklich einsame spitze ♥

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  7. Dublin ist eine tolle Stadt. Ich war damals leider viel zu kurz da. Die Bibliothek vom Trinity College hat mir aber sehr gefallen. Schöner Bericht. :-)

    Herzlich,
    Anna

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