Wo aus Reisen Liebe wurde: Blogparade Reisebegegnungen

Auf Reisen lernt man eine ganze Menge. Das ist uns spätestens nach dem Hype, den diese Leidenschaft ausgelöst hat, klar. Überall liest man von anderen Kulturen und Sprachen, von abgefahrenen Orten und ausgelatschten Wanderschuhen und vor allem vom Sichselbstfinden und Sichselbstbesserkennenlernen. Was mir am Reisen aber am meisten Freude bereitet? Andere Menschen kennenzulernen, ihre Geschichte und die Sicht auf ihr Drumherum. So erfährt kann man viel schneller und besser in das jeweilige Gefühl des Landes eintauchen.

Als ich Arianes Aufruf zur Blogparade: Reisebegegnungen gelesen habe, war mir mein Thema eigentlich sofort klar. Irland, der Bootsjunge und Blumenpflücker. Abends im Pub über die irischen Frauen philosophieren und bekannte Orte ganz anders erleben. Und ganz vorne mit dabei: Wenn man ausmacht, dass man sich zu einer bestimmten Uhrzeit irgendwo trifft, bedeutet das noch lange nicht, dass es ausgemacht ist. So sitze ich also vor dem weißen Blatt auf meinem Bildschirm und denke darüber nach, wie ich wohl am besten anfange und dabei wird mir klar, dass ich eine Begegnung eigentlich viel wichtiger und für mein Leben ausschlaggebender finde.

Urlaub ohne die Familie

Im Sommer 2008 entschließe ich mich zum ersten Mal nicht mit meiner Familie an die Ostsee zu fahren. Für den Herbst, eine Woche im Oktober genauer gesagt, habe ich mit einer Freundin eine Reise in ein kleines, spanisches Dorf geplant. A's Großeltern haben dort ein Haus, mit Pool und Blick aufs Meer, mit Sonnenterrasse und bloß einer knappen Stunde Fahrt bis Barcelona. Im grauen und herbstlichen Deutschland verpassen wir fast unseren Flug und wachen am nächsten Tag bei beinahe 30 Grad im sonnigen Pals auf. Den Tag verbringen wir am Pool und laufen runter zum Meer, streifen durch die steilen Gassen und erkunden den Weg bis zum einzigen Supermarkt weit und breit.

Nach einigen heimlich gerauchten Zigaretten, Sprüngen ins kühle Nass, frischen Muscheln zum Abendessen und dem ersten Twilight-Buch, schnappen wir unsere Badesachen und wollen den wolkenlosen Himmel direkt am Strand genießen. An der Promenade erspähen wir einen ersten Blick auf die große Sandfläche. Außer uns ist noch jemand da. Zwei Jungs, ein blonder, ein dunkelhaariger liegen in einiger Entfernung zu unserem angestammten Platz. Wir diskutieren und entscheiden uns schlussendlich dafür, einfach mal rüber zu gehen und Hallo zu sagen. Wir sind 15 und fühlen uns wie mindestens 18, als wir tatsächlich eine Verabredung mit den beiden für den Abend ausmachen. Das witzige daran? Die beiden kommen tatsächlich auch aus Deutschland. Man könnte jetzt meinen, dass das eine ganz schön langweilige Reisebegegnung sei. Immerhin haben wir dadurch nicht unbedingt mehr vom Land oder der Kultur mitbekommen. Doch was sich aus dieser Begegnung entwickelt, wird mich von da an und bis zum heutigen Zeitpunkt begleiten.

Unerhofft kommt oft

F. und L. kommen aus der Nähe von Kiel, erzählen sie. Ganz aufgeregt frage ich, ob sie wohl Eckernförde kennen. Nun ja und wie es der Zufall will, kommen die beiden genau von dort. Gefühlt habe ich jeden Sommer meines Lebens in der kleinen Hafenstadt an der Ostsee verbracht, fühlte mich irgendwie immer heimisch, aber kannte einfach nie einen. Anscheinend muss man erst mal ans andere Ende des Kontinents fahren, um die richtigen Menschen kennen zu lernen. Den restlichen Abend verbringen wir mit Sangria in der ebenfalls einzigen Strandbar des Ortes, krackseln einen Bademeister-Hochturm hinauf und unterhalten uns unterm Sternenhimmel über den Norddeutschen Dialekt und Damion Davis.

Auch die nächsten Tage und Abende verabreden wir uns immer wieder, betrinken uns um 12 Uhr mittags mit einem spanischen Erdbeerlikör und werfen uns gegenseitig riesige Sandberge hinunter. Was wir bei der Abreise wollen? Freunde bleiben. In den darauf folgenden Jahren sind A. und ich keine Freundinnen mehr. Auch von L. hört man nichts mehr. Nur F. und ich halten regelmäßig Kontakt. Ich fange wieder an mit meiner Familie nach Eckernförde zu fahren und F. stellt mir seine Freunde vor. Auch aus ihnen werden Freunde, aus einem Freund wird die erste große Liebe und der erste große Herzschmerz. Und aus einer flüchtigen Bekanntschaft wird eine großartige Freundschaft, aus der sich mit der Zeit auch meine wundervolle Beziehung entwickelt.

Diese Reisebegegnung war kein pures Abenteuer, nicht besonders lehr- oder aufschlussreich, aber sie hat mehr in meinem Leben verändert, als alle anderen bisher und ist mir die liebste.

Kommentare :

  1. Awww wie süß und romantisch! Und deine Schreibweise ist einfach so schön! <3 ich hab den Aufruf zur Blogparade auch gesehen und werde definitiv mitmachen, sobald ich mich für eine Geschichte entscheiden kann bzw. wie ich es am besten schreibe. Einer meiner liebsten ist eigentlich die, mit dem alten Mann in London, falls du dich erinnerst, darüber habe ich sogar schon mal geschrieben.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende dir <3
    deine Jasmin von nimsajx.blogspot.de

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  2. So ein schöner Post! Kann Jasmin nur zustimmen dass es sehr romantisch ist :)
    Danke, dass du das mit uns geteilt hast!
    Alles Liebe, Maya von Melyanisme

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  3. Ach, wie wunderbar <3 Das ist ja eine tolle Geschichte, und ja, sehr romantisch! Manchmal ist das wohl so, dass man erst mal um die halbe Welt reisen muss, um jemanden kennen zu lernen, der ganz in der Nähe wohnt - und so besonders ist :) Vielen Dank für die Teilnahme an meiner Blogparade und diesen großartigen Text!

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  4. Was für eine tolle Geschichte!

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Ich freue mich über ganz viel Liebe, auch über ernst gemeinte Kritik und alles dazwischen <3
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