Meine krumme Symphonie - Mein Frühlingssong & eure Sammlung - Musik & Du. 017

Ich sitze in der Mittagspause, verdrücke den restlichen Reis vom Vortrag und Spotify läuft mal wieder auf Hochtouren. In der letzten Zeit höre ich mal wieder auf meinen Körper und esse auch erst wirklich dann, wenn ich Hunger habe und nicht schon um 12 Uhr, nur weil da alle essen. Dementsprechend bin ich die einzige im Essensraum und summ ein wenig vor mich hin. "Stressed Out" wird durch meinen brüllenden Chewbacca Klingelton unterbrochen, der mir signalisiert, dass ich eine neue E-Mail bekommen habe. "Caroline von H. hat einen neuen Kommentar zu deinem Post geschrieben." Ich freue mich, dass sie wieder mitgemacht hat, doch das einzige, was ich denken kann ist: "VERDAMMT MARIBEL, du hast schon wieder vergessen deinen eigenen Musik & Du. Beitrag zu schreiben." Auf diesem Wege.. Danke Caroline, dass du mir den nötigen Arschtritt verpasst hast! Du warst nicht die letzte.

Die größten Frühlingsgefühle lösen eigentlich gerade alle Lieder von Bosse in mir aus. Das neue Album schreit einfach gerade zu nach Sonne, Roadtrip mit offenen Fenstern und lautem Mitsingen. Aber eines schreit ganz besonders danach: Krumme Symphonie (feat. Casper)!


What if


An einem gewissen Punkt in deinem Leben warst du genug Teenager. Du entscheidest dich jetzt endlich mal Gas zu geben, dir selbst was Gutes zu tun, dich selbst besser kennen und lieben zu lernen und dein Leben in die Hand zu nehmen. Du ziehst aus, hörst auf zu rauchen, läufst 12 km und hörst auf, ständig rumzumeckern, du lernst 'Nein' zu sagen und auf den Tisch zu hauen, deinen eigenen Plänen zu folgen und nicht dem von anderen. Du bist endlich stolz auf dich und hast es dir bewiesen. Und anderen bewiesen. Und wenn diese eine Person es wüsste, hättest du es auch ihr bewiesen. Du lässt dich wieder etwas gehen und ruhst dich auf deinem Erfolg aus. Du bist auf einmal irgendwie fein - mit dir, deinen Freunden, deiner Beziehung, deinem Job.

An genau diesem Punkt in deinem Leben solltest du vollends glücklich sein - mit dir, deinen Freunden, deiner Beziehung, deinem Job - und für einen kleinen Moment scheint es auch so zu sein. Doch an genau diesem Punkt, an dem alles gut zu laufen scheint, kommen die Zweifel wieder zurück. In dem Moment, in dem du aufgehört hast zu rotieren, fängst du wieder an zu denken. Die verschwunden Kilos kommen zurück, als wären sie von der Waage eigens bestellt und sogar noch vor vereinbarten Lieferdatum zugestellt worden, alte Gewohnheiten schleichen sich schneller ein, als du Rhabarberkuchen sagen kannst und vergangene Gefühle schlagen mit Lichtgeschwindigkeit in deinem Herz ein.

Dann sitzt du an genau diesem Punkt in deinem Leben da und das einzige, was du noch denken kannst ist:

Du bist nicht gut genug.
Du bist nicht gut genug.
Du bist nicht gut genug.
Du bist es einfach nicht.

Du schaust in den Spiegel und siehst wieder das kleine 16-jährige Mädchen, das alle mit ihren wirren Gedanken nervt, das Aufmerksamkeit braucht und nicht vor Lügen zurückschreckt, nur um an ihr Ziel zu kommen. Du siehst auf einmal all die schlechten Sachen, die du einmal warst, nie wieder sein wolltest, die du Jahre lang im hintersten Teil deines Gedankenpalastes verbarrikadiert hast. Und dann denkst du, dass du wieder genauso bist. Du stellst alles in Frage und zweifelst alles an - dich, deine Freunde, deine Beziehung, deinen Job.

Was wäre wenn.. was wäre wenn dies, was wäre wenn das. Was wäre, wenn du einfach mal in den richtigen Spiegel blickst? In den neuen, glänzenden. Zerbrich den alten und sammle die Scherben auf, nur um sie in noch viel kleinere Teile zu brechen, sodass du nie wieder auch nur einen klitzekleinen Teil von dir dort drin sehen kannst.

HÖR VERDAMMT NOCH MAL AUF, AN DIR ZU ZWEIFELN!
HÖR VERDAMMT NOCH MAL AUF, AN DIR ZU ZWEIFELN!
HÖR VERDAMMT NOCH MAL AUF, AN DIR ZU ZWEIFELN!
HÖR VERDAMMT NOCH MAL AUF, DICH SCHLECHTER ZU MACHEN ALS DU BIST!

Wo aus Reisen Liebe wurde: Blogparade Reisebegegnungen

Auf Reisen lernt man eine ganze Menge. Das ist uns spätestens nach dem Hype, den diese Leidenschaft ausgelöst hat, klar. Überall liest man von anderen Kulturen und Sprachen, von abgefahrenen Orten und ausgelatschten Wanderschuhen und vor allem vom Sichselbstfinden und Sichselbstbesserkennenlernen. Was mir am Reisen aber am meisten Freude bereitet? Andere Menschen kennenzulernen, ihre Geschichte und die Sicht auf ihr Drumherum. So erfährt kann man viel schneller und besser in das jeweilige Gefühl des Landes eintauchen.

Als ich Arianes Aufruf zur Blogparade: Reisebegegnungen gelesen habe, war mir mein Thema eigentlich sofort klar. Irland, der Bootsjunge und Blumenpflücker. Abends im Pub über die irischen Frauen philosophieren und bekannte Orte ganz anders erleben. Und ganz vorne mit dabei: Wenn man ausmacht, dass man sich zu einer bestimmten Uhrzeit irgendwo trifft, bedeutet das noch lange nicht, dass es ausgemacht ist. So sitze ich also vor dem weißen Blatt auf meinem Bildschirm und denke darüber nach, wie ich wohl am besten anfange und dabei wird mir klar, dass ich eine Begegnung eigentlich viel wichtiger und für mein Leben ausschlaggebender finde.

Urlaub ohne die Familie

Im Sommer 2008 entschließe ich mich zum ersten Mal nicht mit meiner Familie an die Ostsee zu fahren. Für den Herbst, eine Woche im Oktober genauer gesagt, habe ich mit einer Freundin eine Reise in ein kleines, spanisches Dorf geplant. A's Großeltern haben dort ein Haus, mit Pool und Blick aufs Meer, mit Sonnenterrasse und bloß einer knappen Stunde Fahrt bis Barcelona. Im grauen und herbstlichen Deutschland verpassen wir fast unseren Flug und wachen am nächsten Tag bei beinahe 30 Grad im sonnigen Pals auf. Den Tag verbringen wir am Pool und laufen runter zum Meer, streifen durch die steilen Gassen und erkunden den Weg bis zum einzigen Supermarkt weit und breit.

Nach einigen heimlich gerauchten Zigaretten, Sprüngen ins kühle Nass, frischen Muscheln zum Abendessen und dem ersten Twilight-Buch, schnappen wir unsere Badesachen und wollen den wolkenlosen Himmel direkt am Strand genießen. An der Promenade erspähen wir einen ersten Blick auf die große Sandfläche. Außer uns ist noch jemand da. Zwei Jungs, ein blonder, ein dunkelhaariger liegen in einiger Entfernung zu unserem angestammten Platz. Wir diskutieren und entscheiden uns schlussendlich dafür, einfach mal rüber zu gehen und Hallo zu sagen. Wir sind 15 und fühlen uns wie mindestens 18, als wir tatsächlich eine Verabredung mit den beiden für den Abend ausmachen. Das witzige daran? Die beiden kommen tatsächlich auch aus Deutschland. Man könnte jetzt meinen, dass das eine ganz schön langweilige Reisebegegnung sei. Immerhin haben wir dadurch nicht unbedingt mehr vom Land oder der Kultur mitbekommen. Doch was sich aus dieser Begegnung entwickelt, wird mich von da an und bis zum heutigen Zeitpunkt begleiten.

Unerhofft kommt oft

F. und L. kommen aus der Nähe von Kiel, erzählen sie. Ganz aufgeregt frage ich, ob sie wohl Eckernförde kennen. Nun ja und wie es der Zufall will, kommen die beiden genau von dort. Gefühlt habe ich jeden Sommer meines Lebens in der kleinen Hafenstadt an der Ostsee verbracht, fühlte mich irgendwie immer heimisch, aber kannte einfach nie einen. Anscheinend muss man erst mal ans andere Ende des Kontinents fahren, um die richtigen Menschen kennen zu lernen. Den restlichen Abend verbringen wir mit Sangria in der ebenfalls einzigen Strandbar des Ortes, krackseln einen Bademeister-Hochturm hinauf und unterhalten uns unterm Sternenhimmel über den Norddeutschen Dialekt und Damion Davis.

Auch die nächsten Tage und Abende verabreden wir uns immer wieder, betrinken uns um 12 Uhr mittags mit einem spanischen Erdbeerlikör und werfen uns gegenseitig riesige Sandberge hinunter. Was wir bei der Abreise wollen? Freunde bleiben. In den darauf folgenden Jahren sind A. und ich keine Freundinnen mehr. Auch von L. hört man nichts mehr. Nur F. und ich halten regelmäßig Kontakt. Ich fange wieder an mit meiner Familie nach Eckernförde zu fahren und F. stellt mir seine Freunde vor. Auch aus ihnen werden Freunde, aus einem Freund wird die erste große Liebe und der erste große Herzschmerz. Und aus einer flüchtigen Bekanntschaft wird eine großartige Freundschaft, aus der sich mit der Zeit auch meine wundervolle Beziehung entwickelt.

Diese Reisebegegnung war kein pures Abenteuer, nicht besonders lehr- oder aufschlussreich, aber sie hat mehr in meinem Leben verändert, als alle anderen bisher und ist mir die liebste.