Vom Entscheidungen treffen.

"Ich glaube du hast den Entschluss für dich selbst schon längst getroffen." Stille. Du weißt, dass du jetzt zustimmen, nicken, bejahen solltest aber es kommt nicht raus. Deine Augen sind geschwollen und brennen von den Tränen, die gerade dick und schnell über meine Wangen gerollt sind und mein Blick schweift über unsere Straße, "unser kleines Dorf", das zu deinem Zuhause geworden ist. "Oder nicht?" Ihre Stimme reißt dich aus meinen Gedanken, die doch keine sind. "Ja, du hast recht. Ich muss das ändern und wahrscheinlich auch bald.", "Nicht wahrscheinlich, das musst du. Wenn du nicht glücklich damit bist, musst du etwas ändern und dich wieder glücklich machen."

Entscheidungen sind nie leicht und trotzdem müssen sie gefällt werden. Gefällt, ja das ist das richtige Wort. Bäume fällt man auch. Leben wird einfach so umgehackt, weil irgendwann mal jemand auf die Idee gekommen ist, dass Holz nützlich sein könnte. Eine Entscheidung und schon wird ein halber Regenwald zunichte gemacht. Eine Entscheidung und der Partner wird betrogen, die Freundin belogen, der Supermarkt beklaut, ein Menschenleben wird genommen. Na gut, du musst es gleich wieder übertreiben. Es geht hier nicht um Leben und Tod, nicht um Welt verändernde Ereignisse. Aber deine kleine Welt wird verändert, du und dein ganzes Umfeld.

Bild von: Lilian D.

Ist es richtig, oder falsch? Wer kann das schon sagen? Das kannst du dir nicht mal selbst beantworten. Entscheidungen zeigen ihr wahres Gesicht erst nachdem sie getroffen wurden. Davor ist es wie auf einem Maskenball und du erfährst erst um 12 Uhr welchen Prinzen du geküsst hast. Jede Entscheidung hat ihre eigene Konsequenz. Das ist manchmal eine gute, genauso wie man sie sich erhofft hatte und manchmal eben eine schlechte, der Worst-Case. Aber damit musst du dann eben leben.

Du kannst nicht immer nur den einfachen Weg gehen, der mit Trampelpfaden über die bunte Blumenwiese. Dieser Weg mag der schönere sein, der dich einfach an ein Ziel bringt, aber das Ziel wird dich nie zu 100 % glücklich machen. Das Ziel ist eine hässliche graue Stadt, ohne Nähe zum Wasser, ohne Parks und Grünanlagen, mit Industrie und einer hohen Kriminalitätsrate. Das Ziel des einfachen Weges ist deine kleine, persönliche Hölle.

Dann musst du eben den harten Weg nehmen. Der Weg, der dich über den höchsten Berg der Welt führt - ohne Sauerstoffmaske - der sich durch die heißeste Wüste und die kälteste Arktis schlängelt und alles was du bei dir trägst, ist ein Korkenzieher für die Weinflaschen, die dir ab und zu an den Wegrand gelegt werden. Aber das Ziel ist das, wofür es sich gelohnt hat zu stolpern und zu fallen, sich wieder aufzurappeln und weiterzugehen. Das Ziel ist eine kleine Idylle, ein Cottage am Meer, die saftig grünen Wiesen hinter dir und ein immerwährender Lithium-Sonnenuntergang.

"Du musst nur endlich damit anfangen."

Kommentare :

  1. Ich lese mir deine Texte immer sooo gerne durch, du hast einfach einen so tollen Schreibstil!
    Macht aber auch neugierig, um was für eine Entscheidung es hier ging :D

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    1. Danke!! Tatsächlich generell um Entscheidungen :P

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  2. dem kann ich nur zustimmen. ist das eine vergangene geschichte oder ist das präsent? falls es das letztere ist, schicke ich dir viel kraft und mut für den schwierigeren weg. du hast recht, es lohnt sich. fühl dich gedrückt ♥

    und das bild gefällt mir total gut!

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    1. Es geht generell um Entscheidungen treffen.. da bin ich nicht so das Ass drin! Aber danke, liebes ♥

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  3. Das hast du grandios geschrieben! Ich kann mich in dem Text sooo gut wiederfinden.
    Entscheidungen sind doof, müssen aber trotzdem getroffen werden. Leider tu ich mich da immer ein bisschen schwer& schiebe alles bis zur letzten Sekunde auf. Schlimme Angewohnheit.

    Liebe Grüße .

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  4. Sehr schön geschrieben und das Foto ist auch sehr gut gemacht!

    Alles Liebe,
    http://www.lara-ira.de/

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  5. Tolle und nachdenkliche Worte! Entscheidungen treffen ist mir eigentlich nie schwer gefallen, viel mehr kenn eich die Situation, die du beschreibst. Es eigentlich entschieden zu haben, bereits zu wissen und sich dann nicht trauen, nicht wollen umzusetzen.
    Aber du hast recht: Mit den Folgen muss man leben und ich hoffe, dass es in deinem Fall immer gute sein werden :)

    Allerbeste Grüße!

    mtrjschk.blogspot.com

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  6. Ich bin ja auch großer Fan von solchen Texten von dir, blöderweise regen gerade die immer viel zu selbst zum nachdenken an. Und das möchte man ja oft gar nicht :)
    Hoffe dir geht es gut und bis ganz bald!

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  7. Oh man, meine liebste Maribel ♥ Ich hab mir das durchgelesen und zu allererst dachte ich: Was für ein schöner Text und mal wieder wunderbar formuliert! Und dann hatte ich irgendwie so richtig Angst um dich :( Ich hoffe du machst grade nicht so eine kleine persönliche Hölle durch... Und wenn ja: Ich schick dir ganz viel Kraft!
    Dein Text hat mich auch sehr bewegt, ich hab momentan (oder eigentlich auch immer) damit zu kämpfen und komm einfach oft nicht weiter weil ich meinen Blümchenpfad eben so liebe... Danke für die tollen Gedanken!
    Ich drück dich ganz lieb, deine Duni ♥

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  8. Der Text hat mich auch sehr bewegt, er ist wundervoll geschrieben.
    Der einfache Weg, ist meist nicht der Weg, der uns persönlich weiterbringt. Wir lernen am meisten durch das Scheitern, barfuß am Boden der Tatsachen, draußen in der rauen Welt. Ich habe eine Abneigung gegen heile Welt Entscheidungen, weil es für mich geheuchelt und leer ist. Die vollen Gefühle des Lebens stecken auf dem schweren Weg. Nur so kann man lernen was Leben bedeutet, wenn man fällt und wieder aufsteht.
    Ich bereue keine einzige Entscheidung und ich liebe Probleme und Herausforderungen. Sie ziehen mich magisch an.

    Liebe Grüße, Anja


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