Das was ich bin.

Ein bisschen komme ich mir langsam vor, wie ein Elefant, der über ein dünnes Spinnennetz balancieren soll. Ich stehe in der Mitte, das Netz wippt und ich weiß nicht recht, ob es nach links oder rechts gehen soll. Doch lieber nach oben oder unten? Das Spinnennetz ist die Bloggerwelt, der Medienwahn, eine Werbeplattform. Eigentlich sollte das Netz aus meinen Gedanken bestehen, meinen Gefühlen, doch wo ist die Abzweigung? Habe ich sie verpasst? Bin ich abgefahren und bin trotzdem in die falsche Richtung gegangen? Ich sitze, starre auf die Tasten, auf meinem Bett neben mir liegt mein Handy. Der Schrei von Chewbacca verkündet, dass mich eine neue E-Mail erreicht habe und ich reagiere sofort. Ein neuer Kommentar auf meinem Blog, heißt es, doch als ich das Fenster öffne steht da nur: "Schöne Fotos, die sehen echt toll aus. Meinen Blog findest du übrigens hier." Ich schließe das Fenster wieder, scrolle noch einmal kurz durch meinen Instagram Feed - völlig unberührt von dem "Kommentar" welchen ich soeben gelesen habe - und blicke wieder auf das MacBook. Das was ich jetzt gerne niederschreiben würde, kann ich nicht, darf ich nicht - will ich einfach nicht. Eine bestimmte Anzahl der Leser bedeutet auch weniger Privatsphäre, weniger Tagebuch-Gefühl, mehr dieses Ich-bin-jetzt-präsent-Gefühl, mehr dieses Meine-Freunde-und-Familie-lesen-mit-Gefühl und damit eben das, was ich ganz natürlich daraus schließt.

Ich höre auf meine Gedanken in dieses weiße Fenster hier zu schreiben. Manchmal verirren sich zwei, drei Sätze in einen Textblock, die nach einem weiteren Drüberschauen verscheucht werden, als gehörten sie nicht hier hin, als sprächen sie eine andere Sprache. Doch das tun sie nicht. Sie gehören genau so hier her, wie die Wörter, die ich übers Reisen schreibe, über die Musik und meine so selten gewordenen ironischen Texte. Sie waren einst das, was mein Internet-Ich ausgemacht haben, was viele von euch angelockt und überredet hat zu bleiben. Sie waren dieses Etwas, diese Persönlichkeit, Ehrlichkeit, Offenheit. Sie wollten alles sein und waren alles was ihr brauchtet, was ich brauchte, alles was es brauchte um dieses Spinnennetz "Blog" zu stützen. Was ihn erbaute, ihm die Wände und Decken strich, die Einrichtung in die richtigen Ecken stelle und die Zimmer voller Leben füllte.

Manchmal streife ich durch diese Räume, schalte die Lichter an und betrachte das Erschaffene. Wollte ich jemals irgendwas dergleichen erschaffen? Die Möbel in manchen Räumen scheinen noch so sauber, als hätte sich nie jemand darauf gesetzt oder sie gar benutzt. Doch wenn man genauer hinschaut, sieht man dass dort, wo sich Flecken von zu viel Rotwein befinden sollten, wo manche Stellen schon abgesessen sein sollten, dort ist eine kleine Folie gespannt, die das Möbelstück vor dem Verfall schützen soll, vor Fehlern, Patzern und zu ehrlichen Taten. Damit der oder die nicht mitbekommt, was gerade in mir vorgeht, in meinem Leben passiert.

Es ist unheimlich schwierig die Balance zu finden zwischen feuchtfröhlichen Abenden und sauberen Möbeln. Es ist unheimlich schwierig die Balance zu finden zwischen Das-dürfen-sie-wissen-das-kann-ich-mir-von-der-Seele-schreiben und Too-much-information. Ich will das nicht aus meinen Händen gleiten lassen. Das hier ist ein Teil von mir, das Schreiben meiner Gefühle, Gedanken, manchmal erfundenen Geschichten, die aus meinem Kopf über die Hände und die Tasten auf dieses weiße Feld hier wollen. Ich möchte nicht mehr, dass irgendeine Folie über meinen Texten gespannt ist, damit sich hier ja kein Fleck bildet. Das hier, das ist mein Feld, zwischen vielen anderen Feldern, die genau so von euren Gedanken gefüllt werden, von all den Wörtern, die euch über die Finger gleiten, all den Wörtern, die ihr für richtig haltet ins Spinnennetz zu weben. Lasst uns bitte nie wieder etwas anderes machen, keine Folien spannen, in keine verlockenden Fallen mehr tappen. Lasst uns bitte nur noch schreiben, wann immer wir es wollen.

Ich bin kein Medium für andere. Ich bin kein Elefant in diesem Spinnennetz und erst recht keine kleine, verirrte Fliege. Ich bin eine Spinne, die selber Fäden spinnt.

Kommentare :

  1. ja!! es hat etwas total befreiendes deinen text zu lesen. ich hoffe, dir ging es beim schreiben auch so.
    wegen dieser privatsphäre-sache habe ich auch schon öfter überlegt, meinen blog auf privat umzustellen und vllt einen zweitblog zu machen, für meine geschichten und alles, was eben nicht zu intim ist. wäre das eine möglichkeit für dich?
    ich mag dein authentisches du (oder zumindest welches ich dafür halte) am allerliebsten ♥ hab ein schönes wochenende, süße spinne. glaub du spinnst höhö

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  2. Du bist aber hübsch! :o
    Gefällt mir dein kleiner Text, hat Spaß gemacht ihn zu lesen und etwas mehr über die Bloggerin zu erfahren. Finde ich interessant, dass du das durch ein Spinnennetz hier beschreibst :)

    LG
    Nina

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  3. Ich sitze hier an meinem Schreibtisch und habe tatsächlich Tränen in den Augen, hab vielen Dank Maribel. Du hast RECHT, natürlich hast du das. Wir Leben in einer Welt in der wir uns immer mehr mit Worten und Gedanken zurück halten. Du weißt es ja selbst, wie oft ich mein Goldfischglas verlassen habe, nur um diesen einen Platz für meine Gedanken zu finden und immer wieder bin ich zurück gekommen....nun habe ich es schon wieder getan, ich bin nicht so mutig wie du, ich verstecke mich ein bisschen, mag nicht, dass Sie ALLE über diese Gefühle bescheid wissen, aber ich bekomme immerhin große Lust, Sie mit Dir zu teilen. Deine Worte berühren mich, du malst mit deinen Worten und ich sehe alles ganz klar vor mir. Ich hoffe du gehst mir nicht verloren, in diesen unglaublichen Weiten des Internets.
    Und nun ....komm ein bisschen näher zu mir und ich flüster dir meinen Ort zu....oder auf ganz unromantische Art *seufz* E-Mail...Sie habe Post.

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  4. Wirklich ein super toller, sehr sehr gut geschriebener Text! Ich freue mich wirklich sehr, dass es auch wieder mehr Texte hier von dir zu lesen gibt. Denn diese Gefühle, Gedanken und Geschichten sagen so viel aus und erreichen bei mir als Leser etwas - einfach, weil hier eben keine Folie gespannt wird. Weil sie echt sind.
    Liebste Grüße

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  5. Das hast du wundervoll geschrieben Liebes!!! Ganz ehrlich. Richtig gut und ich weiß genau was du meinst! Bei mir ist es mittlerweile ja echt so, dass richtig richtig viele mitlesen. Super viele Freunde, Bekannte die Eltern, die Schwester, Exfreunde, welche die es vielleicht noch werden (nein Spaß :-D) aber du weist wie ichs mein. Einfach n Haufen Leute die einen kennen. Sicher bin ich allgemein nicht mehr ganz so privat, da ich eben auch viel Beauty und Co mit auf den Blog genommen hab und da sowas eben außen vor bleibt. Trotz allem füll ich gerade meine Outfitbeiträge immer noch gerne mit privaten Meinungen und Ansichten und das ist auch gut so. Natürlich sollte man kein offenes Buch sein, aber man kann trotzdem noch etwas davon durchsickern lassen ohne dass man gleich ein schlechtes Gefühl haben muss. Gerade die Beiträge kommen ja auch generell immer am Besten an! Aber trotzdem ist da immer dieses Gefühl, dass einen dann nicht ganz frei schreiben lässt. Das kann ich verstehen, das hab auch ich oft und es nervt. Aber vllt brauch es einfach nur etwas Zeit.

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  6. Hey meine Liebe,
    ich kenn dieses Gefühl jetzt nicht so gut, da ich nicht so viele Leser habe wie du, aber ich kann es gut nachvollziehen. Denn je mehr Leute dich lesen, desto weniger willst du ja auch irgendwie von dir Preis geben, so komisch das klingt. Und dann geht ein ganz spannender Teil von einem selbst verloren. Wenn man die Texte, die man gerne schreibt, nicht mehr so schreiben kann, dann ist das echt schade und ich hoff, dass du einen guten Mittelweg finden wirst, mit dem du dich wohl fühlst - ich finde nämlich, dass man trotzdem ruhig seine eigene Meinung haben und ein bisschen polarisieren darf und ich freu mich jedes Mal, auch etwas Kritischeres oder Ehrlicheres von dir zu lesen: )
    Alles Liebe,
    Kathi

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  7. Ich musste gerade ein bisschen über Deinen Kommentar lachen. Eigentlich finde ich diese 10 Dinge .... posts auch irgendwie eher langweilig. In letzter Zeit habe ich aber festgestellt, dass es Spaß macht die selber zu schreiben und irgendwie auch einfach ist.

    Im Prinzip passt es zu Deinem Text, den ich übrigens sehr sehr mag! 10 Dinge, das ist so ein Post den man schreiben kann ohne sein halbes Seelenleben preis zu geben. Wirklich viel bedeuten tut er mir aber nicht. Ich merke auch selber dass die Posts die mir am Herzen liegen mehr kommentiert werden. Aber möchte ich wirklich alle meine Gefühle öffentlich niederschreiben? Besser nicht...

    LG Kia | Traviness

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  8. Oh Maribel das ist wirklich ein toller Text mit einer super Aussage! Ich wuenschte ich koennte so schreiben wie du und viele andere Blogger, aber ich habe als Foto-Diary Blog angefangen und nie viel geschrieben. Das einzige worueber ich wirklich gut (meiner Meinung nach) schreiben kann sind meine Reisen. Und diese versuche ich natuerlich auch so ehrlich und authentisch wie moeglich zu gestalten. Von daher Hut ab vor deinem Schreibtalent, ich lese solche Blogs unheimlich gerne, eben weil ich es nicht so gut kann, mich aber meist in den Texten wiederfinde. Danke dafuer!

    Ganz viele liebe Gruesse aus Indoniesen (moechtest du btw eine Postkarte? hab noch paar ueber xD, schick mir bei interesse einfach deine adresse per mail!)

    <3 deine Jasmin von nimsajx.blogspot.de

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  9. Oh meine süße Maus ♥ Schade das dieser Post nun so an mir vorbei gegangen ist :( Wenn ich vesuche weniger am laptop zu sein entgeht mir sowas.. dabei ist dein Text und deine Aussage einfach nur der Wahnsinn ♥ Du hast die absolut richtige Einstellung meine Liebe und wenn du deinen Gedanken in diese aufrichtige, authentische Weise folgst dann machst du auch weiterhin ALLES richtig! Du bist persönlich, DU bist TOLL! Und ich liebe deine Posts und deine Art! Ich lese eigentlich auch nur Blogs die persönlich sind. Zum Beispiel interessiert mich Beauty und Fashion nicht die Bohne. Aber ein paar Blogs bringen eben ihre persönliche Note noch mit rein, da ignoriere ich dann auch mal das Outfit und geh nur auf den Text ein. Ich wünschte ich könnte dich jetzt drücken mein Schätzelein! Fühl dich geknuddelt :*

    P.S. Diese Kommentare, wie du sie beschrieben hast, ignoriere ich gekonnt. Warum sollte ich auf jemanden eingehen der sich nur für den eigenen Bloglink intressiert.

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  10. Vollkommen recht hast du, und ich verstehe dich sehr gut. Aber genau das macht deinen Blog ja aus, Du, deine Meinung, deine Gedanken. Und ich denke, dass egal wie viele Leute das lesen, Offenheit und Ehrlichkeit trotzdem immer belohnt wird. Ich finde es so schön, wenn Menschen authentisch sind. Bleib dran:)

    <3

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Ich freue mich über ganz viel Liebe, auch über ernst gemeinte Kritik und alles dazwischen <3
Du hast ein Gewinnspiel und willst mich lediglich darauf aufmerksam machen? Oder möchtest mich herzlich zu deiner Blogvorstellung einladen? - Nein, Danke! Wunderbar, dass du meinen Blog vorstellen willst, weil er ja so toll ist. Dann mach es doch einfach so und sag mir bescheid.