The Ireland-Story #2: Music, music everywhere..

Natürlich ist man sich bewusst, dass man in Irland viel Musik findet. Viel mehr, viel wahrer als hier. Aber dann sitzt du da Abends im Pub. Es wäre egal gewesen, in welchen du gehst. Überall wird gespielt, gesungen, gestampft - nicht geklatscht. Iren klatschen nicht mit. Nur die Touristen wissen das nicht. Geben das aber schnell auf, wenn sie merken, dass keiner sonst mitmacht. Zum Glück wurde mir das vorher gesagt. Warum das so ist? Ein bekannter meinte neulich, dass das so ist, weil die Iren immer zu voll zum Klatschen sind. Ich bestätige das Gegenteil. Aber ich habe auch Beispiele gesehen, die das definitiv bestätigen würden. Aber die gibt es doch überall, oder?



Boattrip Gap of Dunloe, Lamb's Head

Das wirklich faszinierende an all dem ist aber nicht nur, dass auch oft einfach das Publikum nach vorne kommt und einfach mal ein, zwei Liedchen spielt (so wie meine Mutter zum Beispiel), oder dass einfach alle mitsingen. Nein, das wirklich faszinierende ist das Zusammenspiel aus jung und alt. Klar sitzen wir in den Dorfkneipen auch mit den älteren zusammen und haben nichts dagegen, aber würden wir die gleiche Musik spielen? Würden wir uns gegenseitig so respektieren? Noch nie habe ich das so stark ausgeprägt gesehen.

Glengarriff, Tag 2: "I take another Bulmers, thank you!" ordere ich meinen Cider. Plötzlich stutze ich. Diese Stimme passt aber nicht zu dem älteren Paar das eben die irischen Hymnen zum besten gegeben haben. Ich schiele hinaus und sehe einen jungen Jungen. Älter als 18 wird er nicht sein. Er sitzt da, alleine mit seiner Gitarre, umgeben von den ganzen "alten" Leuten. Alle sind verstummt. Hören zu. Ich nehme mein Getränk und bleibe im Türrahmen stehen. Im Anschluss rede ich mit ihm. Er ist tatsächlich 18. Er liebt es abends einfach seine Gitarre zu zücken, zu den anderen in die Bar zu gehen und mit ihnen zu singen, die Welt um sich rum zu vergessen. Er ist begeistert, dass ich aus Deutschland komme. Glaubt nicht recht, dass ich so begeistert von ihm bin. Doch ich erkläre ihm, wie die 18 jährigen hierzulande sind. Pöbelhaft. Respektlos alten Menschen gegenüber. Nicht alle natürlich, es gibt immer Ausnahmen.




Glengarriff: Musik auf der Straße vor dem Pub

Das ist das erste Mal, dass ich verstehe, wie wichtig die Musik in diesem Land noch ist. Wie präsent und allgegenwärtig sie ist. Wie wirklich und ernst sie hier gemeint ist. Die meisten Kinder müssen sich in der Schule ein Musikinstrument aussuchen, bekomme ich von "meinem" Iren erzählt. Die meisten bleiben dabei. Der Rest hört immer noch zu. Und selbst wenn es nicht die traditionelle Musik ist, nichts geht ohne Musik. An unserem gemeinsamen letzten Abend sitzen "mein" Ire und ich im Auto. Wir blicken auf die Hügel und die Küste, das Fenster leicht geöffnet um eine frische Brise herein zu lassen. Wir reden bestimmt über 2 Stunden nur über Musik. Deutsche, Charts, irische. Er ist begeistert von Seeed und Tua. Will mehr von Marteria und Casper hören. Niemals wieder werde ich so musikalische Menschen treffen wie dort. Ich freue mich schon auf den nächsten Besuch!


Muckross House & Gardens, The Courthouse Pub in Dingle

Kommentare :

  1. Die sind zu voll zum Klatschen?? Was eine geile Erklärung, ob wahr oder nicht, gelungen !!! :-DDDDD
    Also aus deinem Erzählten schließe ich jetzt mal, dass ein Pub von denen dem Juze von uns entspricht, in dem alle versuchen die Mini-Playbackshow nachzuspielen, nur das wir dann irgendwann damit aufgehört haben und das Klatschen für uns entdeckt :-)

    Also eine richtigen Pub muss ich auch mal besuchen!
    Zwar haben wir in der Stadt schon ein paar Irish Pubs und da kann man nur auf englisch bestellen aber das wird wohl eher ein Abklatsch sein. Genial finde ich, dass dort das ganze Dorf zusammen kommt. Diese Kultur stirbt bei uns ja leider aus :-/ Musikalische Frühbildung wäre für uns ja hier auch ne gute Sache, würden nicht mehr so viele zu DSDS rennen ums ich dort das Feedback "du kannst das nicht" abzuholen :-)

    Wann startest du den nächsten Trip auf die grüne Insel?

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  2. Das mit den Männern war darauf bezogen, dass du geschrieben hattest endlich mal noch jemand nettes in deinem Alter gefunden zu haben. Das ist ja ne ganz neue Erfahrung :-D So oft findet man die ja nicht mehr :-D
    Ich würd fast behaupten, dass viele bei uns nicht nur zu voll zum klatschen sind ^^
    Ich muss ja sagen dass ich sehr glücklich über die Tatsache bin einen Musikerfreund zu haben, denn da werden ganz viele Abende mit musikalischen Einlagen verschönert. In unserem Freundeskreis tummeln sich extrem viele Musiker und wenn die mal zusammen sitzen, dann geht das meistens lang und wird von Minute zu Minute besser. Ganz egal ob sie voll sind oder nicht. Musik können se immer machen. Seltsam oder?! Ich lieb das. Ich finds schon großartig wenn Jul abends Gitarre spielt, aber wenn dann noch welche dazu singen und noch einer mit dem Cajon dabei sitzt dann kann das echt einiges. Trotzdem nicht zu vergleichen mit der Lebensfreude die da in so nem Pub versprüht wird. Das ist ne ganze andre Musik. Durft da jetzt schon ein paar mal in Irish Pubs in Deutschland dabei sein und das ist schon echt sau cool.
    Wir haben selbst auch ein Pub im Ort ... allerdings von Griechen geführt :-D Und da ist das an guten Tagen schon ein bisschen ähnlich mit dem Jung und Alt. Ich mag das sehr und finds schön dass es sowas noch gibt.
    Hast du schön geschrieben mal wieder :-*

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  3. Ich muss ja sagen: Irland steht auch gerade wegen seiner Musikalität auch absolut auf meiner "To-travel-Liste" - ich bewundere auch jedes Mal deine wunderschönen Fotos auf Instagram - sieht wirklich sehr schön aus - und dann noch ein toller Abend im Pub mit Gitarre, Bier, Klatschen und Mitsingen? Was kann es perfekteres geben?
    Liebste Grüße

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