Aus dem Leben einer Nichtstudentin: Die Spezies "der Alleskenner"

Ja, es ist offiziell. Ich darf mich nun Staatlich geprüfte Fremdsprachensekretärin schimpfen. Wurde geehrt als Klassenbeste und ein weiteres Mal als beste im Fachabi. Und wisst ihr was? Ich hab den Job in Hamburg! Ab September geht es los. Dann ist es offiziell, dass ich Hamburgerin bin. Projekt: Lebenstraum geht in die 2. Halbzeit! Ich freue mich sooo sehr! Genug mit der Angeberei. Weiter im Programm.



"Also wir sind hier auf jeden Fall die ältesten.", raunt mir mein bester Freund ins Ohr. Zuletzt hatte ich dieses Phänomen am 18. Geburtstag meiner kleinen, angeheirateten Cousine. Also schon eine Weile nicht mehr. In meinen Freundeskreisen war ich meistens eine der jüngsten. Naja, was solls. Bloß nicht anfangen Klugscheißerisch daher zu kommen. Dann wird das schon. Und nachher aufm Kiez tanzen wir sowieso alle gleich. Leichter gesagt als getan.
Da steht er schon wieder. Der strohblonde Junge. Mit seiner Bacardiflasche, die er mir jetzt schon zum gefühlten 20. Mal unter die Nase hält und mir weismachen will, dass mein Cider nicht genug sei um vorzutrinken. In meinem Kopf breitet sich der hartnäckige "Immer schön lächeln und nicken"-Gedanke aus. Ja nicht unhöflich werden. Er weiß es einfach noch nicht besser, sage ich mir.
Als ich aus dem Bad komme sitzt er auf meinem Platz. Mein bester Freund wirft mir einen vielsagenden Blick zu. Er brauch nicht mal mit den Augen rollen. Ich lausche dem Versuch des blonden Bürschchen, der wohl gerade sein G8 Abi hinter sich gebracht hat und nun mit gerade so 19 in der Uni sitzt, uns die Vorteile eines Studiums näher zubringen. Dass mein bester Freund keinesfalls vor hat zu studieren lässt ihn kurz stutzen, fährt dann aber gnadenlos fort. Er erzählt, dass er nächstes Semester in Barcelona studieren will, aber eigentlich außer einer Bierbestellung und "Hallo, Mädels" noch kein Wort Spanisch spricht. Die Vorlesungen werden auf Spanisch sein. Das ist der richtige Moment für meinen besten sich aus dem Staub zu machen und ihn mir an der Backe zu lassen.
Ja, ich spreche Spanisch, erzähle ich. Er wird die Sprache schneller lernen, wenn er in dem Land ist. Er soll sich an die Einheimischen wenden und nicht nur mit den restlichen Austauschstudenten schlechtes Englisch austauschen. Das kann er nämlich auch nicht gut, sagt er. Aber Nein. Wer wäre er denn, wenn er es nicht besser wüsste. In Barcelona sprechen die ja gar kein richtiges Spanisch sondern nur Catalan. Da könne er sich genau so gut mit den restlichen schlecht Spanisch und Englisch sprechenden treffen. Dass seine Vorlesungen ebenfalls teilweise auf Catalan sein werden, scheint ihn nicht zu interessieren.



Wo ich herkomme will er wissen. Gießen, Universitätsstadt. Ich kenne mich also mit Studenten aus. Ach so. Er kennt Gießen auch sehr gut. Natürlich nur aus Erzählungen, aber weiß natürlich wie es da abgeht. Mhm ja. Heidelberg ist in der Nähe. Natürlich viel schöner als Gießen. Er war mal ein paar Stunden dort. Da konnte er das wunderbar einschätzen. Wo er Gießen noch nie gesehen hat. Ja und überhaupt.
Gießen ist ja schon sone Medizinerstadt, sage ich. Ich muss es ja wissen. Laut der strohblonden, kleinen Nervensäge, die mich jetzt schon halb zur Weisglut gebracht hat, gibt es aber nicht viel medizinischens in Gießen. Ich zähle so ziemlich alles auf. Er schweigt kurz, ist sich aber danach wieder vollkommen im Klaren darüber, dass ich als Nichtstudentin ja nicht alles wissen kann. Ich sage nichts mehr. Starre nur zu meinem besten Freund. Er grinst. Ich möchte ihm meine Flasche gegen den Kopf schmeißen.
Später will blondi mir noch erzählen, wie das aufm Kiez läuft. Er wohnt ja schließlich schon 3 Monate hier.. Ich sage nichts mehr. Gehe ihm aus dem Weg. Da spricht mich einer der anderen Jungspunde an. "Sag mal, G8 oder G9, was findest du besser?" Ich teile meine Meinung und sage im gleichen Atemzug "Peeeeerfekt!" weil mein bester Freund gerade vom Spiel gegen Brasilien gesprochen hat. "Falsche Betonung!" sagt Alleskenner Nummer 2. "Bitte?", frage ich. Weil ich gerade absolut keinen Zusammenhang finde. "Es wird PerFEKT ausgesprochen. Nicht PERfekt. Deswegen ist deine Betonung eben falsch gewesen." In meinem Kopf herrscht Krieg zwischen den zwei Parteien "Steh drüber - Lächeln und Nicken" und "Gib Kontra und mach ihn platt". Partei 1 gewinnt. Zu seinem Glück. Später soll er mit noch mehr Sprüchen ankommen, aber die ignoriere ich schon gekonnt.

Kommentare :

  1. GLÜCKWUNSCH...sei ruhig stolz auf dich...ist nur zu Recht :)
    Und nun lass Dich feiern und beschenken und abknutschen.

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  2. Herzlichen Glückwunsch! Mit sowas darf man ruhig angeben ;)
    Ach und diese Nervensägen muss man einfach ertragen. Bemitleiden, dass sie es nicht besser wissen. So wie wir :)
    Liebe Grüße ♥
    http://behindthecomfortzone.blogspot.com/

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  3. herzlichen glückwunsch und toller post :) :D

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  4. Herzlichen Glückwunsch!
    Hach ich musste bei deinem Post echt schmunzeln, solche Leute gibt es echt immer wieder...^^
    Die Sonnenbrille ist übrigens von Primark :)

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  5. Hey, danke für deine Kommentare zu meinem blog! :D Und Glückwunsch!
    Dann sind wir ja bald sowas wie Nachbarn (in Hamburg! ;) hehe
    Liebe Grüße und viel Erfolg bei deinem Umzug und dem Job in Hamburg!
    Johanna

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