Aus dem Leben einer Nichtstudentin: Manchmal ist auf die Studenten doch Verlass.

Nein, ich bin keineswegs eine dieser dauerlinksfahrenden, gesenkten Säue, die hinter euch drängelnd das Fernlicht anmachen und noch jede dunkelgelbe Ampel mitnehmen. Nein, ich wurde einfach nur geblitzt, an einer Ampel. Wollte einen Unfall vermeiden, war in einer gesetzlichen Grauzone und hatte ganz einfach: Pech. Aufbauseminar, Probezeitverlängerung um 2 Jahre. Unfair. Aber kannste nüscht machen, nech?



Lügt nicht. Jeder von uns hat doch mal diese Momente. Diese Momente in denen man nichts böses denkend (zumindest nicht viel mehr als sonst) da sitzt und seinen Kaffee schlürft, um das unnötige Aufbauseminar hinter sich bringen zu können. Kurz vorher hat man seinen Unmut schon am Dummschwätzer zwei Plätze weiter, mittels einer Diskussion ausgelassen und grinst innerlich über den Erfolg. Und dann kommt der Held an. In jeder Gruppe eines solchen Seminars gibt es einen Held. Immer. Sagt der Seminarleiter. Ich glaube ihm. Der Held (ich nenne keine Details, denn was im Seminarraum erzählt wird, bleibt auch im Seminarraum.. leider) ist ein paar Jahre jünger als ich und haut jede Stunde ungefähr so viele Story raus, wie andere nicht in 30 Jahren Autofahrkarriere.

  • 1. Stunde - das ist alles noch ziemlich witzig. Man fühlt sich selber besser. Bekommt abermals bestätigt, dass man glücklicherweise kein Idiot geworden ist. Lacht über jede Geschichte und tauscht vielsagende Blicke mit Seminarleiter und anderen Teilnehmern aus.
  • Beobachtungsfahrt - zum Glück fangen die Gespräche erst nach meinen 30 Minuten an. Eine Geschichte möchte man nachher nicht mal seiner Mutter erzählen. Fremdschämen nimmt eine ganz andere Dimension an. Ab jetzt hat man Insider mit Leiter und dem 2. Mitfahrer.
  • 2. Stunde - man weiß mittlerweile, dass Einsicht nicht seine Stärke ist. Kommt zu spät und fliegt somit fast aus dem Seminar. Die Storys häufen sich und das Lachen formt sich langsam aber sicher zu einem Ach-du-Scheiße-Facepalm-Grinsen, welches durch starkes Kopfschütteln unterstrichen wird.
  • 3. Stunde - jetzt kommen langsam weitaus gewalttätigere Geschichten zum Vorschein. Die meisten lachen noch. Man selbst entwickelt das Warum-hat-der-noch-den-Führerschein-Gefühl mittlerweile zusammen mit einem Ich-weiß-nich-ob-ich-das-noch-witzig-finden-soll-Blick. Man spricht seine Bedenken aus.
  • 4. Stunde - er ist pünktlich. Hat aber sein Heft vergessen. Man sagt nichts mehr dazu, denkt sich nur, dass er froh sein kann über den lockeren Seminarleiter. Ein Ferrari fährt draußen vorbei. Wie ein aufgescheuchtes Huhn springt er auf und verständigt sich in Affen ähnlichen Lauten. Das Seminar ist zu Ende. Man ist froh, dass man nicht noch einmal dort hin muss.
Doch zwischen all dem sitzt ein Student. Und wisst ihr was? Er ist neben mir (natürlich) der gewissenhafteste. Nachdem ich in der 2. Stunde Fieber bekommen habe und der Wind mich draußen fast bis Argentinien geweht hätte, besteht er darauf mich zu fahren. "Das ist ja bei deinem Zustand nicht zumutbar." findet er. Ich finde ihn nett. Und vertraue ihm auch gleich an, was ich von dem ein oder anderen halte. Er versteht mich. Stimmt mir zu. Sieht das genau so. Ich mag ihn. Und was soll ich sagen? Manchmal ist auf die Studenten doch Verlass.
Wie immer nehme ich meine Lieblingsstudenten hier voll und ganz aus der Allgemeinheit raus! Aber das wisst ihr ja!

Kommentare :

  1. Wie recht du hast! Und das mit dem Aufbauseminar ist echt richtig beschissen gelaufen ... Aber da hat man dann wenigstens was zu erzählen ;)
    Liebe Grüße ♥
    http://behindthecomfortzone.blogspot.com/

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  2. :-D Ja, ich glaub solche Menschen übertreiben einfach maßlos. Das sind im Normalfall ja die, die sonst nie Aufmerksamkeit bekommen und ums Verrecken im Mittelpunkt stehen wollen. Gerade bei den Fremden, weil die ja nicht wissen wie man tickt. Die eigenen Leute sinds ja schon leid. Bei Fremden kann man spielen! Und wenn der erste Witz gut ankommt, dann muss man weiter machen und weiter machen und weiter machen und immer noch einen drauf setzen weil man denkt, dass die Leute einen jetzt super lustig oder super cool finden und dann merken sie schon gar nicht mehr, dass sie schon lang sau daneben sind und gar nicht mehr wahr genommen werden. Weil sie den Absprung verpasst haben... sind mir auch schon über den Weg gelaufen solche Menschen. Eigentlich muss man echt Mitleid mit solchen Leuten haben weil sies einfach selbst nicht merken und das irgendwie schon fast traurig ist.

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    1. Naaahhh, ich glaub nich mal, dass es so ne mega Aufmerksamkeits Sache war.. das war einfach ein Typ, der ständig angeben will. Und scheinbar sind seine Freunde genau so. Und leeeeeider gibts viele solcher Typen :D :/

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